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WCAG

Kurz und knapp

Die WCAG sind die internationalen Richtlinien für barrierefreie Webinhalte. Sie legen fest, was technisch als barrierefrei gilt.

Was bedeutet WCAG?

WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines, herausgegeben vom World Wide Web Consortium. Die Richtlinien beschreiben, wie Webinhalte gestaltet sein müssen, damit Menschen mit Einschränkungen sie nutzen können. Sie sind die technische Grundlage, auf die sich Gesetze wie das BFSG über die Norm EN 301 549 beziehen.

Die WCAG bauen auf vier Prinzipien auf: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Wahrnehmbar heißt zum Beispiel, dass jedes Bild einen Alternativtext hat und Text sich ausreichend vom Hintergrund abhebt. Bedienbar heißt, dass alles per Tastatur erreichbar ist. Verständlich zielt auf klare Sprache und nachvollziehbare Formulare. Robust bedeutet sauberes HTML, damit Hilfsmittel die Seite richtig auslesen.

Es gibt drei Stufen: A als Minimum, AA als üblichen Maßstab und AAA als Höchstmaß, das selten vollständig erreicht wird. In Deutschland orientieren sich Vorgaben in der Regel an Stufe AA. Dazu gehört etwa ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 bei normalem Text.

Viele WCAG-Kriterien lassen sich nicht automatisch prüfen. Ob ein Alternativtext sinnvoll ist oder ein Formular logisch aufgebaut, beurteilt am Ende ein Mensch. Wie weit automatische Prüfungen kommen, steht im Beitrag Barrierefreie Website.

Beispiel

Ein Button zeigt nur ein Lupensymbol. Technisch funktioniert er, für eine Sprachausgabe heißt er aber „Link“. Nach WCAG braucht er einen Namen, etwa „Suche öffnen“. Eine Zeile Code, ein spürbarer Unterschied.

Welche Versionen es gibt

WCAG 2.0 von 2008 ist die Grundlage, auf die viele ältere Vorschriften verweisen. WCAG 2.1 von 2018 ergänzt Kriterien für mobile Nutzung, Sehbehinderung und kognitive Einschränkungen. WCAG 2.2 von 2023 kommt mit weiteren Kriterien dazu, unter anderem zu Fokusdarstellung und Bedienung auf Touchgeräten.

Die Versionen bauen aufeinander auf: Wer 2.2 erfüllt, erfüllt auch 2.1 und 2.0. In Deutschland wird über die Norm EN 301 549 in der Regel auf den Stand 2.1 Stufe AA verwiesen.

An WCAG 3.0 wird gearbeitet. Sie soll die starre Einteilung in A, AA und AAA durch ein Punktesystem ablösen, ist aber noch weit von einer verbindlichen Fassung entfernt und für die Praxis derzeit ohne Bedeutung.

Wie die Kriterien aufgebaut sind

Über allem stehen die vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Darunter liegen Richtlinien als allgemeine Ziele und darunter die Erfolgskriterien, die einzeln prüfbar sind und jeweils einer Stufe zugeordnet werden.

Jedes Kriterium trägt eine Nummer, etwa 1.4.3 für Kontrast. Diese Nummern tauchen in Prüfberichten auf und sind der schnellste Weg, eine Anforderung nachzuschlagen.

Ergänzt wird das durch Techniken und Verständnisdokumente des W3C. Sie sind nicht verbindlich, erklären aber, wie ein Kriterium praktisch erfüllt wird, und sind damit die nützlichste Quelle bei konkreten Fragen.

Die Kriterien, die in der Praxis am häufigsten fehlen

1.1.1 Nicht-Text-Inhalte: Bilder ohne Alternativtext. Der mit Abstand häufigste Befund.

1.4.3 Kontrast: zu helle Schrift, siehe Kontrastverhältnis.

2.4.7 Fokus sichtbar: Der Rahmen, der zeigt, wo man sich mit der Tastatur befindet, wurde im Design entfernt.

3.3.2 Beschriftungen: Formularfelder mit Platzhaltertext statt einem verknüpften Label. Der Platzhalter verschwindet beim Tippen und ist damit keine Beschriftung.

4.1.2 Name, Rolle, Wert: Schaltflächen, die nur ein Symbol zeigen und für eine Sprachausgabe namenlos bleiben.

Worauf es ankommt

  • Stufe AA als Ziel. Sie ist der Maßstab, auf den sich Gesetze und Ausschreibungen in Deutschland üblicherweise beziehen.
  • Tastatur zuerst testen. Wer mit Tabulator durch die Seite kommt und dabei immer sieht, wo er steht, hat einen großen Teil geschafft.
  • Struktur statt Optik. Überschriften müssen in der richtigen Reihenfolge stehen, nicht nur groß aussehen.
  • Formulare beschriften. Jedes Feld braucht ein verknüpftes Label, ein Platzhaltertext allein genügt nicht.

Häufige Fehler

  • Überschriften nach Schriftgröße wählen statt nach Gliederung, dadurch entstehen Sprünge von h2 auf h4.
  • Fokusrahmen im Design entfernen, weil sie stören. Damit wird die Seite per Tastatur unbedienbar.
  • Wichtige Information allein über Farbe transportieren, etwa ein rot markiertes Pflichtfeld ohne Text.

Häufige Fragen

Welche WCAG-Version gilt aktuell?
In der Praxis wird meist auf WCAG 2.1 Stufe AA verwiesen, darauf baut auch die europäische Norm EN 301 549 auf. WCAG 2.2 ergänzt einige Kriterien, vor allem zur Bedienung auf Touchgeräten.
Muss ich alle Kriterien erfüllen?
Für Stufe AA gelten alle Kriterien der Stufen A und AA. AAA ist freiwillig und für ganze Websites kaum vollständig erreichbar, einzelne Kriterien daraus lohnen sich trotzdem.
Kann ich die WCAG selbst prüfen?
Teilweise. Kontraste, fehlende Alternativtexte und Formularbeschriftungen findet ein Werkzeug zuverlässig. Ob Inhalte verständlich und sinnvoll beschrieben sind, muss ein Mensch beurteilen.

Verwandte Begriffe

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